Fotografie Anne

Persönliche Portraits

Wenn sich das Leben verändert: Wann neue Portraits passen

Gefaltete Hände unter dem Kinn eines Mannes

Manchmal fällt beim Ansehen eines älteren Fotos auf: Das bin ich, aber so würde ich mich heute nicht mehr zeigen. Der Ausdruck wirkt fremder, der Stil passt nicht mehr oder das Bild gehört zu einer Rolle, die inzwischen weniger wichtig ist. Ein neuer Lebensabschnitt kann deshalb ein Anlass für Portraits sein. Er muss es nicht. Entscheidend ist Ihr eigener Bildwunsch, nicht die Vorstellung, jede Veränderung müsse fotografisch dokumentiert werden.

Ein neuer Abschnitt braucht kein Etikett

Veränderung ist nicht immer ein deutliches Ereignis mit einem festen Datum. Ein Alltag kann anders geworden sein, Interessen können sich verschoben haben, der persönliche Stil kann ruhiger oder offener sein. Vielleicht gibt es einen konkreten Anlass. Vielleicht merken Sie lediglich, dass die vorhandenen Bilder nicht mehr ganz zu Ihrer heutigen Vorstellung passen.

Für eine Portraitanfrage müssen Sie diese Entwicklung nicht in eine große Geschichte übersetzen. Sie dürfen sagen, dass Sie neue Aufnahmen möchten, ohne zu erklären, was vorher war. Auch Begriffe wie Neuanfang oder Selbstfindung sind nicht nötig. Fotografie kann gegenwärtig sein, ohne eine Veränderung benennen oder bewerten zu müssen.

Ich möchte Menschen sichtbar machen. Das heißt für mich nicht, aus einem Bild eine fertige Aussage über ihr Leben abzuleiten. Ein Portrait zeigt einen Ausschnitt. Wie viel Hintergrund Sie dazu erzählen und ob die Aufnahme überhaupt eine Geschichte begleiten soll, bleibt Ihre Entscheidung.

Was passt an den bisherigen Bildern nicht mehr?

Bevor Sie alles neu planen, lohnt ein genauer Blick. Ist es tatsächlich Ihr Aussehen, das sich verändert hat? Oder die Wirkung der Aufnahme? Ein sehr förmliches Foto kann noch ähnlich aussehen und trotzdem nicht zu dem passen, was Sie heute zeigen möchten. Umgekehrt kann ein älteres Bild weiterhin stimmig sein, obwohl inzwischen einige Zeit vergangen ist.

Benennen Sie möglichst konkret, was Ihnen fehlt. Mehr Ruhe? Weniger geschäftliche Distanz? Ein anderer Ausschnitt? Eine Aufnahme ohne bestimmte Kleidung oder Umgebung? Diese Beobachtungen lassen sich in fotografische Entscheidungen übersetzen. Die pauschale Vorgabe „ganz anders als früher“ ist dafür weniger hilfreich.

Wenn es vor allem um Ihre berufliche Darstellung geht, hilft der Beitrag Passt mein Bewerbungsfoto noch zu mir?. Dort steht die heutige Verwendung im Mittelpunkt. Bei persönlichen Portraits dürfen andere Kriterien zählen: ob Sie das Bild gern ansehen, darin etwas Vertrautes finden oder einen aktuellen Moment festhalten möchten.

Wiedererkennen und Ausprobieren dürfen zusammengehen

Neue Portraits müssen nicht sämtliche vertrauten Elemente ablegen. Ein Kleidungsstück, eine ruhige Haltung oder eine bestimmte Art von Licht kann weiterhin passen. Sie können etwas wiedererkennen und gleichzeitig eine andere Darstellung ausprobieren. Veränderung zeigt sich nicht zwingend durch einen starken Kontrast zu früheren Bildern.

Vielleicht möchten Sie näher fotografiert werden als bisher. Vielleicht wünschen Sie mehr Umgebung oder einen weniger direkten Blick. Ein einfaches Gegenüberstellen solcher Möglichkeiten macht den Wunsch greifbarer. Es muss daraus keine große Bildinszenierung werden. Oft geht es um die Gewichtung innerhalb einer Aufnahme.

Referenzbilder können das Gespräch unterstützen, solange sie nicht zu einer fremden Zielperson werden. Interessant ist die Gestaltung: Was gefällt Ihnen an dieser Aufnahme? Die Person darauf müssen Sie weder darstellen noch übertreffen. Ihr Portrait entsteht aus Ihrem eigenen Ausdruck und der gemeinsamen fotografischen Arbeit.

Der Zeitpunkt darf zu Ihnen passen

Ein Termin sollte nicht als Beleg dienen, dass etwas überwunden, abgeschlossen oder erfolgreich verändert wurde. Solche Erwartungen würden dem Foto eine Aufgabe geben, die es nicht verlässlich erfüllen kann. Ein Shooting ersetzt keine persönliche Klärung und garantiert kein bestimmtes Gefühl beim späteren Betrachten.

Sie dürfen sich trotzdem auf neue Bilder freuen. Es kann schön sein, einem aktuellen Bildwunsch bewusst Zeit einzuräumen. Ebenso vernünftig kann es sein, den Gedanken erst einmal liegenzulassen. Der passende Zeitpunkt hängt nicht davon ab, ob sich eine Gelegenheit gut erzählen lässt, sondern davon, ob Sie die Aufnahmen tatsächlich möchten.

Wenn Sie noch unentschieden sind, kann eine erste Anfrage den Rahmen klären: welche Art von Portraits möglich ist, wie die Zusammenarbeit angelegt wird und welche Leistungen vereinbart werden. Daraus muss keine sofortige Festlegung auf ein umfangreiches Vorhaben entstehen.

Kleidung und Ort nicht als Beweis verwenden

Ein neues Outfit oder ein besonderer Ort kann den Bildwunsch unterstützen. Beides sollte aber nicht bloß Veränderung symbolisieren müssen. Fragen Sie sich, ob Sie sich darin beziehungsweise dort wiederfinden. Ein schlichter Hintergrund kann sinnvoller sein als eine Umgebung, deren Bedeutung erst erklärt werden muss.

Im Atelier lässt sich die Aufmerksamkeit gezielt auf Gesicht, Haltung und Licht richten. Ein anderer Ort kann passend sein, wenn er zum geplanten Bild gehört. Für persönliche Portraits werden diese Entscheidungen aus der gewünschten Darstellung heraus getroffen, nicht aus einer festen Vorstellung davon, wie ein Neuanfang auszusehen hätte.

Das gilt auch für die Bearbeitung. Ein Portrait darf sorgfältig ausgearbeitet sein, ohne Sie in einen anderen Menschen zu verwandeln. Besprechen Sie, welche Bildwirkung Sie wünschen und was Ihnen beim Wiedererkennen wichtig ist. Eine neue Aufnahme muss nicht durch möglichst starke Veränderung des Gesichts rechtfertigen, dass sie neu ist.

Alte und neue Bilder müssen nicht gegeneinander antreten

Ein früheres Portrait kann weiterhin Bedeutung haben, auch wenn Sie heute ein anderes auswählen. Es gehört zu einer anderen Zeit oder Verwendung. Sie müssen es nicht abwerten, damit das neue Foto seinen Platz bekommt. Eine Sammlung von Bildern darf Unterschiede zeigen, ohne eine Rangfolge von früher und besser zu bilden.

Überlegen Sie bei der neuen Auswahl, wofür die Aufnahmen gedacht sind. Ein Bild für Sie selbst darf leiser sein als eines, mit dem Sie sich anderen vorstellen. Vielleicht möchten Sie eine kleine Auswahl für verschiedene Situationen. Entscheidend ist nicht, welches Bild am deutlichsten eine Veränderung behauptet, sondern welches für den jeweiligen Zweck stimmt.

Wenn Sie Portraits für sich selbst möchten, ist dieser Wunsch ausreichend. Auf der Portraitseite finden Sie den Rahmen für den nächsten Schritt. Sie müssen nicht schon wissen, wie das neue Bild heißen soll. Es darf zunächst einfach ein Bild von Ihnen heute sein.

Zur Journalübersicht