Fotografie Anne

Persönliche Portraits

Ich bin nicht fotogen: Wie Sie einen Portraittermin angehen können

Schwarz-Weiß-Ausschnitt einer lachenden Frau mit Brille

Wenn Sie sich auf Fotos häufig nicht mögen, klingt ein Portraittermin vielleicht nicht nach etwas, auf das Sie sich unbeschwert freuen. Sie müssen dieses Gefühl nicht kleinreden. „Ich bin nicht fotogen“ beschreibt zunächst Ihre Erfahrung mit Bildern von sich. Daraus folgt weder, dass mit Ihrem Aussehen etwas nicht stimmt, noch dass ein Fotoshooting Ihre Selbstwahrnehmung grundsätzlich verändern wird. Für die Planung ist eine konkretere Frage hilfreicher: Was hat Ihnen an bisherigen Aufnahmen gefehlt?

Aus einem Urteil eine Beobachtung machen

Vielleicht erkennen Sie sich in einem breiten Lächeln auf Kommando nicht wieder. Vielleicht werden Sie bei gemeinsamen Fotos meist im falschen Moment erwischt. Oder die Bilder sind durchaus ordentlich, wirken aber so förmlich, dass sie nichts mit Ihrer eigenen Vorstellung zu tun haben. Diese Unterschiede sind wichtig. Sie betreffen nicht alle dieselbe fotografische Aufgabe.

Nehmen Sie, wenn Sie möchten, ein oder zwei vorhandene Bilder als Ausgangspunkt. Beschreiben Sie sie so, wie Sie eine andere Aufnahme beschreiben würden: Der Blick wirkt abwesend. Die Haltung sieht angespannt aus. Der Hintergrund ist sehr unruhig. Damit benennen Sie etwas, über das sich sprechen lässt, statt Ihr Gesicht oder Ihren Körper insgesamt zu bewerten.

Auch ein Bild, das Sie mögen, kann hilfreich sein. Vielleicht ist es unscharf oder technisch unauffällig, aber Sie erkennen einen vertrauten Ausdruck darin. Genau dieser Unterschied kann eine Richtung zeigen. Es geht nicht darum, die Aufnahme nachzubauen. Interessant ist, was sich für Sie daran richtig anfühlt.

Nicht jedes Foto ist ein fairer Maßstab

Ein beiläufiges Handybild, eine Gruppenaufnahme bei wenig Licht und ein bewusst gestaltetes Portrait entstehen unter unterschiedlichen Bedingungen. Aufnahmeabstand, Perspektive, Licht und der gewählte Moment verändern die Darstellung. Wenn Ihnen eine bestimmte Aufnahme nicht gefällt, sagt das zunächst etwas über dieses Bild aus, nicht abschließend über Ihre Eignung für Fotografien.

Umgekehrt muss professionelle Gestaltung nicht bedeuten, dass Sie sich in jedem Ergebnis sofort mögen. Ihr eigener Blick bleibt wichtig. Ein Portrait sollte nicht mit dem Argument verteidigt werden, es sei technisch gut und deshalb müssten Sie es passend finden. Technische Sorgfalt schafft Möglichkeiten; welche Darstellung Ihnen entspricht, lässt sich nicht allein daraus ableiten.

Sinnvoll ist deshalb, Ihre Erwartungen vor dem Termin offen zu halten, ohne sie aufzugeben. Sie dürfen sich ein schönes Bild wünschen. Sie müssen dafür weder ein völlig neues Selbstbild versprechen noch alle Unsicherheit ablegen.

Was Sie im Vorgespräch sagen können

Sie brauchen keine lange Erklärung. Ein paar konkrete Sätze helfen, die Situation zu verstehen: „Ich werde steif, sobald ich in die Kamera schaue.“ „Ich möchte nicht ständig lächeln müssen.“ Oder: „Ich mag ruhige Bilder, habe aber Sorge, darauf unfreundlich auszusehen.“ Das sind brauchbare Hinweise für die Zusammenarbeit.

Wenn Sie bestimmte Ansichten oder Darstellungsweisen nicht möchten, können Sie das ebenfalls benennen. Sie müssen Ihre Grenze nicht mit einer persönlichen Geschichte rechtfertigen. Ebenso dürfen Sie sagen, dass Sie noch nicht wissen, was Sie wollen. Dann kann das Gespräch zunächst klären, welche Art von persönlichen Portraits Ihnen überhaupt zusagt.

Zur Vorbereitung können Sie drei Dinge notieren: Wofür sollen die Bilder entstehen? Welche Wirkung mögen Sie? Was war bei früheren Fotos unangenehm? Mehr zu solchen praktischen Absprachen finden Sie im Beitrag zum Vorgespräch. Aus diesen Informationen sollte keine Liste von vermeintlichen Makeln werden.

Vor der Kamera nicht alles gleichzeitig lösen

Wenn Sie versuchen, Kinn, Schultern, Hände, Blick und Lächeln gleichzeitig zu kontrollieren, wird Fotografiertwerden schnell zur Konzentrationsaufgabe. Sie müssen diese Arbeit nicht allein übernehmen. Hinweise zu Position und Ausdruck gehören zu meiner fotografischen Begleitung. Eine verständliche Anweisung ist hilfreicher als die Aufforderung, einfach lockerer zu sein.

Sie dürfen dabei zurückmelden, wenn eine Haltung unbequem ist oder Ihnen fremd vorkommt. Eine kleine Veränderung, eine andere Position oder ein neuer Ansatz können dann sinnvoller sein als das Festhalten an derselben Idee. Es geht nicht darum, eine einmal gezeigte Pose möglichst lange korrekt auszuhalten.

Auch ein Lächeln darf kommen und wieder verschwinden. Nicht jede Aufnahme braucht denselben Ausdruck. Ein natürliches Portrait mit Anleitung ist kein Widerspruch: Die Gestaltung schafft einen Rahmen, innerhalb dessen Sie nicht ständig selbst die Wirkung kontrollieren müssen.

Kleidung als Unterstützung, nicht als Verkleidung

Tragen Sie etwas, das zu Ihnen und zum Bildwunsch passt. Prüfen Sie vorher, ob Sie darin sitzen, stehen und sich bewegen können, ohne ununterbrochen Stoff oder Kragen zu richten. Diese kleinen praktischen Dinge können mehr zur Ruhe beitragen als ein Outfit, das nur im Spiegel eine bestimmte Wirkung verspricht.

Ein neues Styling ist kein Eintrittsticket für gute Portraits. Wenn Sie sich bewusst anders zeigen möchten, kann das Teil der Idee sein. Es sollte aber Ihr Wunsch sein und kein Versuch, erst fotografierbar zu werden. Eine vertraute und eine alternative Kombination können bei der Planung helfen, ohne aus dem Termin eine Typveränderung zu machen.

Die Bilder ansehen, ohne nach Fehlern zu suchen

Bei der Auswahl lohnt sich zuerst Abstand: das ganze Bild betrachten, dann einzelne Details. Welche Aufnahme kommt Ihrem ursprünglichen Wunsch nahe? Wo erkennen Sie einen vertrauten Blick? Welche Haltung passt zum Zweck? Zwei ähnliche Bilder können dabei unterschiedlich wirken, obwohl sich nur wenig verändert hat.

Sie dürfen sagen, dass Ihnen etwas nicht gefällt. Eine begründete Rückmeldung hilft mehr als ein vorschnelles „Wird schon passen“. Gleichzeitig muss nicht jedes Portrait mit einem Bild verglichen werden, das Sie von sich im Kopf haben. Es kann einen ungewohnten Blick zeigen, ohne falsch zu sein. Ob Ihnen dieser Blick etwas gibt, entscheiden Sie selbst.

Auf der Seite zu persönlichen Portraits können Sie meine Arbeit und den Rahmen kennenlernen. Für eine Anfrage reicht ein überschaubarer Wunsch: ein Bild, auf dem Sie sich wiedererkennen. Sie müssen nicht vorher beweisen, dass Sie selbstsicher vor einer Kamera stehen können.

Zur Journalübersicht